
30.09.2009, 08:39
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Selbstmord als letzter Ausweg
Der "Anschluss"-Pogrom 1938: Selbstmord als letzter Ausweg
Bereits während der Nachtstunden zum 12. März 1938 - der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich begann um 5.30 Uhr - kam es zu den ersten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung Österreichs: Fenster und Geschäftsauslagen wurden eingeschlagen, Juden von SA-Leuten, HJ-Angehörigen und Männern, die als einziges Zeichen ihrer "Autorität" eine Hakenkreuzarmbinde oder ein nationalsozialistisches Abzeichen trugen, verhaftet, geschlagen, gedemütigt und gezwungen, Gehsteige etc. zu reiben. Die Juden Österreichs waren während der ersten Wochen nach dem "Anschluss" gleichsam vogelfrei. Hass, Herrenmenschendünkel, Neid und jahrzehntelanger "salonfähiger" Antisemitismus brachen in Form von Sadismus, Brutalität und einer mittelalterlich anmutenden "Judenhatz" aus.
Die spontanen, pogromartigen Ausschreitungen mit all ihren grausamen Facetten hätten nicht stattfinden können, wären sie nicht ein wohlberechneter und als solcher willkommener Faktor des nationalsozialistischen Herrschafts- und Terrorsystems gewesen. 1938 war es noch Ziel des nationalsozialistischen Regimes, so viele Juden wie möglich zur Auswanderung zu zwingen. Der Terror seitens Gestapo, SS etc., aber auch jener "von unten", d. h., von den einheimischen Nationalsozialisten und Anhängern, war ein Faktor, der die Vertreibung beschleunigen sollte.
Angesichts der brutalen Misshandlungen, grausamen Demütigungen und umfassenden Beraubung erschien vielen österreichischen Juden Selbstmord als einziger Ausweg. Die Zahl der Selbstmorde innerhalb der jüdischen Bevölkerung Österreichs stieg 1938 auf nahezu 500 Personen an, ein erneuter Anstieg erfolgte 1941 bzw. 1942, nach dem Beginn der Deportationen.
Text von DOEW zum Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
zur Foto-Gallery Suicides in Wien 1938
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