Jüdische Friedhöfe: Bundesmittel für Sanierung gefordert
Die Einhaltung des Washingtoner Abkommens von 2001 hat Eva Glawischnig, Dritte Nationalratspräsidentin und stellvertretende Klubobfrau der Grünen, am Dienstagvormittag bei einem Lokalaugenschein am jüdischen Friedhof Klosterneuburg (Bezirk Wien-Umgebung) eingefordert.
Der Bund komme seiner Verpflichtung bezüglich der Erhaltung jüdischer Friedhöfe nicht nach, kritisierte Glawischnig.
Durch die Unterzeichnung des Abkommens habe sich Österreich neben der Entschädigung von NS-Opfern durch einen eigenen Fonds auch dazu verpflichtet, verwahrloste jüdische Friedhöfe in Stand zu setzen, zu renovieren und zu pflegen. Geschehen sei diesbezüglich seitens des Bundes in den vergangenen sieben Jahren gar nichts, erklärte Glawischnig und forderte die entsprechende Freigabe von Bundesbudgetmitteln.
Die Gemeinden könnten dann gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde die sanfte Restaurierung der Begräbnisstätten umsetzen.
Glawischnig monierte eine Gleichstellung mit der Kriegsgräberfürsorge: "Die Gräber der Täter werden erhalten, jene der Opfer nicht. Das ist eine internationale Peinlichkeit und Schande".
Auch Madeleine Petrovic, NÖ Klubobfrau und Grüne Spitzenkandidatin für die NÖ Landtagswahl am 9. März, sicherte ihre Unterstützung zu: "Wir warten auf Gerechtigkeit durch den Bund". Die Probleme seien vor allem auf den Osten Österreichs konzentriert, berichtete Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde. "Wir werden alles Mögliche unternehmen, um den Friedhof in Ordnung zu halten", versicherte Klosterneuburgs Bürgermeister Gottfried Schuh (V). Die Stadtgemeinde habe bereits die gärtnerische und dokumentarische Betreuung der Gräber übernommen sowie einige bauliche Maßnahmen getätigt.
Der jüdische Friedhof in der Holzgasse in Klosterneuburg besteht seit 1874, weist rund 670 Gräber auf und wird immer noch belegt (zuletzt im August 2007).
Im Frühjahr 2007 wurde das "Komitee zur Erhaltung des jüdischen Friedhofs Klosterneuburg - in memoriam Walter Lauber" gegründet, dem der Zeithistoriker Gustav Spann als Obmann vorsteht. In Kooperation mit Stadtgemeinde und Kultusgemeinde wurden bereits erste Schritte zur sanften Sanierung des Friedhofs gesetzt, doch stößt der Verein bei seinem Projekt an Grenzen der Finanzierbarkeit.